Neue französische Studie zeigt signifikante Wirkung in der Frühphase der Multiplen Sklerose
Eine Krankheit, die das Nervensystem Stück für Stück entblößt, und ein Vitamin, das still dagegenhält. Eine neue französische Studie liefert jetzt überzeugende Belege dafür, dass Vitamin D in der Frühphase der Multiplen Sklerose die Entzündungsaktivität im Gehirn senken kann, sichtbar im MRT und messbar im Risiko für neue Schübe.
Erfahren Sie in diesem Gastartikel von B.Sc. Robert Becker, wie Vitamin D bereits in der Frühphase den Lauf von Multipler Sklerose signifikant verbessert.
Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen des Nervensystems und trifft vor allem junge Erwachsene mitten im Leben. Oft beginnt sie schleichend mit einem sogenannten klinisch isolierten Syndrom (CIS), dem ersten Schub, der auf eine spätere MS hinweist. Menschen, die in nördlichen Ländern mit wenig Sonnenlicht leben, haben ein bis zu dreifach höheres Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, als Menschen in sonnenreichen Regionen (1). Der Vitamin-D-Spiegel gilt dabei als einer der wichtigsten erklärenden Faktoren. Seit Langem wird vermutet, dass Vitamin D eine schützende Rolle spielt. Nun bestätigt eine große placebokontrollierte Studie aus Frankreich diese Annahme. Hochdosiertes Vitamin D3 senkte die Krankheitsaktivität deutlich, besonders sichtbar im MRT.
Studiendesign
An der französischen D-Lay-MS-Studie (2) nahmen 303 unbehandelte CIS-Patientinnen und -Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren mit einem 25-OH-D-Spiegel unter 40 ng/ml (100 nmol/L) aus 36 französischen MS-Zentren teil. Über 24 Monate erhielten sie entweder alle zwei Wochen 100.000 I.E. Cholecalciferol (Vitamin D) oder ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Krankheitsaktivität, definiert als klinischer Schub oder neue beziehungsweise kontrastaufnehmende Läsionen im MRT.
Zentrale Ergebnisse
Vitamin D verlangsamt Krankheitsaktivität deutlich
Nach zwei Jahren zeigten 60,3 Prozent der Vitamin-D-Gruppe Krankheitsaktivität gegenüber 74,1 Prozent unter Placebo. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion um 34 Prozent und einer Number Needed to Treat (NNT) von sieben. Das bedeutet: Wenn sieben Personen über zwei Jahre hochdosiertes Vitamin D erhalten, kann bei einer Person ein erneutes Krankheitsereignis verhindert werden. Ein solcher Wert gilt in der klinischen Forschung als günstig und klinisch relevant, insbesondere bei einer sicheren und gut verträglichen Therapie wie Vitamin D. Die mediane Zeit bis zum ersten Aktivitätsereignis verdoppelte sich nahezu von 224 auf 432 Tage.
Stärkster Effekt im MRT sichtbar
Die MRT-Befunde zeigten den größten Unterschied. Die Zahl neuer oder vergrößerter T2-Läsionen war in der Vitamin-D-Gruppe deutlich geringer (HR 0,61), ebenso die kontrastaufnehmenden Läsionen (HR 0,47). Damit konnte Vitamin D vor allem die subklinische Entzündungsaktivität im zentralen Nervensystem reduzieren, also Entzündungen, die noch keine Symptome verursachen.
Sicher, gut verträglich und besonders wirksam bei Mangel
Schwere Nebenwirkungen, Hyperkalzämien oder Nierenprobleme traten nicht auf. Am meisten profitierten Teilnehmende mit starkem Vitamin-D-Mangel, normalem Körpergewicht und ohne Rückenmarksläsionen.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass hochdosiertes Vitamin D in der frühen MS-Phase einen messbaren, entzündungshemmenden Effekt hat.
Interpretation der Ergebnisse
Die Effektgröße beim primären Endpunkt ist vergleichbar mit einigen etablierten Frühtherapien aus historischen CIS-Studien. Der Vorteil zeigt sich vor allem in der Bildgebung, was darauf hindeutet, dass Vitamin D früh in die immunologischen Prozesse eingreift, die MS-typische Läsionen auslösen. Vitamin D ist kostengünstig, breit verfügbar und zeigte in dieser Studie ein günstiges Sicherheitsprofil.
Besonders bei initialem Mangel könnte die Supplementierung ein bedeutsamer Baustein in einem ganzheitlichen Management der frühen MS sein.
Fazit
Diese Studie liefert überzeugende Evidenz dafür, dass hochdosiertes Vitamin D3 bei CIS und früher schubförmiger MS die entzündliche Krankheitsaktivität signifikant reduziert. Der Effekt ist konsistent, biologisch plausibel und klinisch relevant. Vitamin D stellt damit einen vielversprechenden, sicheren und leicht verfügbaren Ansatz dar, um das immunologische Geschehen in der Frühphase der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Weitere Langzeitdaten werden zeigen, ob dies auch den Übergang zur manifesten MS verlangsamt.
Quellenangaben:
- Thouvenot E, Laplaud D, Lebrun-Frenay C, et al. High-Dose Vitamin D in Clinically Isolated Syndrome Typical of Multiple Sclerosis: The D-Lay MS Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;333(16):1413–1422. doi:10.1001/jama.2025.1604
- Simpson S Jr, Wang W, Otahal P, Blizzard L, van der Mei IAF, Taylor BV. Latitude continues to be significantly associated with the prevalence of multiple sclerosis: an updated meta-analysis. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2019 Nov;90(11):1193-1200. doi: 10.1136/jnnp-2018-320189. Epub 2019 Jun 19. PMID: 31217172.
Bildquelle:
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