Freies Vitamin D – neue Diagnostik oder überschätzter Laborwert?

Freies Vitamin D – neue Diagnostik oder überschätzter Laborwert?

Vitamin D gehört zu den am intensivsten erforschten Mikronährstoffen der letzten Jahrzehnte. Lange wurde es ausschließlich als Vitamin betrachtet, heute weiß man: Vitamin D wirkt im Körper wie ein Hormon. Es beeinflusst zahlreiche Gene und spielt eine wichtige Rolle für Knochen, Immunsystem, Muskeln und viele weitere Prozesse. In der medizinischen Diagnostik wird üblicherweise das sogenannte Gesamt-Vitamin-D im Blut gemessen – genauer gesagt 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D). 

In den letzten Jahren wird jedoch vermehrt diskutiert, ob nicht das „freie Vitamin D“ die tatsächliche Versorgung besser widerspiegelt. Doch was bedeutet „freies Vitamin D“ überhaupt – und ist dieser Wert wirklich aussagekräftiger?


Vitamin D wirkt im Körper wie ein Hormon

Vitamin D entfaltet seine biologische Wirkung erst nach mehreren Umwandlungsschritten im Körper. Die aktive Form, das sogenannte 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D (1,25(OH)₂D), bindet an den Vitamin-D-Rezeptor (VDR) in den Zellen und reguliert dort die Aktivität zahlreicher Gene. Dadurch beeinflusst Vitamin D unter anderem:

  • den Kalziumstoffwechsel
  • die Knochengesundheit
  • das Immunsystem
  • die Muskelkraft
  • das Nervensystem
  • die Herzgesundheit
  • uvm.

Diese hormonähnliche Wirkung erklärt, warum Vitamin D in der Forschung heute häufig als Sonnenhormon bezeichnet wird.


Warum ist der größte Teil von Vitamin D im Blut gebunden?

Im Blut liegt Vitamin D überwiegend nicht frei, sondern an Transportproteine gebunden vor. Der größte Teil ist an das Vitamin-D-Bindungsprotein (DBP) gebunden, ein kleinerer Teil an Albumin, ein Transporteiweiß im Blut. Nur ein sehr kleiner Anteil des Vitamin D zirkuliert frei im Blut. Dieser freie Anteil macht nur einen Bruchteil des Gesamt-Vitamin-D aus. Dieses Transportprinzip hat einen wichtigen Vorteil: Die Bindungsproteine wirken wie ein Speicher- und Transportsystem, das Vitamin D stabil im Blut verfügbar hält.


Die Idee hinter der Messung von freiem Vitamin D

Einige Forscher orientieren sich an der sogenannten Free-Hormone-Hypothese. Diese besagt, dass nur der freie Anteil eines Hormons biologisch aktiv ist, weil nur dieser direkt in Zellen gelangen kann.

Überträgt man diese Hypothese auf Vitamin D, entsteht die Idee:

Vielleicht sagt der freie Vitamin-D-Anteil mehr über die tatsächliche Versorgung des Körpers aus als der Gesamtwert.

Daher wurden Laborverfahren entwickelt, mit denen man freies 25(OH)D messen kann.


Warum dieser Ansatz nicht so einfach ist

Bei Vitamin D ist die Situation jedoch komplexer als bei vielen anderen Hormonen. Ein Teil des gebundenen Vitamin D kann nämlich über spezielle Zellmechanismen aufgenommen werden. Besonders in der Niere geschieht dies über Transportrezeptoren (Megalin und Cubilin). Dadurch kann auch gebundenes Vitamin D biologisch genutzt werden. Das bedeutet: Gebundenes Vitamin D ist nicht automatisch biologisch inaktiv. Deshalb betrachten die meisten Fachgesellschaften den Gesamt-Vitamin-D-Wert weiterhin als zuverlässigsten Standardmarker zur Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung.


Wann freies Vitamin D trotzdem interessant sein kann

In bestimmten Situationen kann die Messung des freien Vitamin D zusätzliche Informationen liefern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Schwangerschaft
  • schwere Lebererkrankungen
  • nephrotisches Syndrom (eine Nierenerkrankung)
  • genetische Veränderungen des Vitamin-D-Bindungsproteins

In solchen Fällen können die Transportproteine stark verändert sein, wodurch der Gesamt-Vitamin-D-Wert schwieriger zu interpretieren ist. Für die allgemeine Routine-Diagnostik gilt jedoch weiterhin:

Der Gesamt-25(OH)D-Wert (Calcidiol) ist der etablierte und am besten untersuchte Laborwert.


Fazit

Die Diskussion über freies Vitamin D zeigt, wie komplex der Vitamin-D-Stoffwechsel im menschlichen Körper ist. Obwohl die Messung des freien Anteils wissenschaftlich interessant ist, bleibt der Gesamt-Vitamin-D-Wert derzeit der wichtigste Standardmarker, um die Vitamin-D-Versorgung zu beurteilen. Freies Vitamin D kann in speziellen medizinischen Situationen zusätzliche Hinweise liefern – für die breite Bevölkerung ist dieser Laborwert jedoch bislang keine bessere Alternative zur klassischen Vitamin-D-Bestimmung.

Wichtiger als immer neue Laborwerte ist daher etwas anderes:
Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, denn Vitamin D bleibt eines der zentralen Moleküle für Gesundheit, Immunsystem und Stoffwechsel.

Quellenangaben:

  1. Giustina, A., Bilezikian, J. P., Adler, R. A., Banfi, G., Bikle, D. D., Binkley, N. C., Bollerslev, J., Bouillon, R., Brandi, M. L., Casanueva, F. F., Di Filippo, L., Donini, L. M., Ebeling, P. R., Fuleihan, G. E., Fassio, A., Frara, S., Jones, G., Marcocci, C., Martineau, A. R., . . . Virtanen, J. K. (2024). Consensus Statement on Vitamin D Status Assessment and Supplementation: Whys, Whens, and Hows. Endocrine Reviews, 45(5), 625–654. https://doi.org/10.1210/endrev/bnae009

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Vitamin D bremst frühe MS-Aktivität – Ergebnisse in MRT sichtbar

Vitamin D bremst frühe MS-Aktivität – Ergebnisse in MRT sichtbar

Neue französische Studie zeigt signifikante Wirkung in der Frühphase der Multiplen Sklerose

Eine Krankheit, die das Nervensystem Stück für Stück entblößt, und ein Vitamin, das still dagegenhält. Eine neue französische Studie liefert jetzt überzeugende Belege dafür, dass Vitamin D in der Frühphase der Multiplen Sklerose die Entzündungsaktivität im Gehirn senken kann, sichtbar im MRT und messbar im Risiko für neue Schübe.


Erfahren Sie in diesem Gastartikel von B.Sc. Robert Becker, wie Vitamin D bereits in der Frühphase den Lauf von Multipler Sklerose signifikant verbessert. 

Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen des Nervensystems und trifft vor allem junge Erwachsene mitten im Leben. Oft beginnt sie schleichend mit einem sogenannten klinisch isolierten Syndrom (CIS), dem ersten Schub, der auf eine spätere MS hinweist. Menschen, die in nördlichen Ländern mit wenig Sonnenlicht leben, haben ein bis zu dreifach höheres Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, als Menschen in sonnenreichen Regionen (1). Der Vitamin-D-Spiegel gilt dabei als einer der wichtigsten erklärenden Faktoren. Seit Langem wird vermutet, dass Vitamin D eine schützende Rolle spielt. Nun bestätigt eine große placebokontrollierte Studie aus Frankreich diese Annahme. Hochdosiertes Vitamin D3 senkte die Krankheitsaktivität deutlich, besonders sichtbar im MRT.


Studiendesign

An der französischen D-Lay-MS-Studie (2) nahmen 303 unbehandelte CIS-Patientinnen und -Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren mit einem 25-OH-D-Spiegel unter 40 ng/ml (100 nmol/L) aus 36 französischen MS-Zentren teil. Über 24 Monate erhielten sie entweder alle zwei Wochen 100.000 I.E. Cholecalciferol (Vitamin D) oder ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Krankheitsaktivität, definiert als klinischer Schub oder neue beziehungsweise kontrastaufnehmende Läsionen im MRT.


Zentrale Ergebnisse

Vitamin D verlangsamt Krankheitsaktivität deutlich

Nach zwei Jahren zeigten 60,3 Prozent der Vitamin-D-Gruppe Krankheitsaktivität gegenüber 74,1 Prozent unter Placebo. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion um 34 Prozent und einer Number Needed to Treat (NNT) von sieben. Das bedeutet: Wenn sieben Personen über zwei Jahre hochdosiertes Vitamin D erhalten, kann bei einer Person ein erneutes Krankheitsereignis verhindert werden. Ein solcher Wert gilt in der klinischen Forschung als günstig und klinisch relevant, insbesondere bei einer sicheren und gut verträglichen Therapie wie Vitamin D. Die mediane Zeit bis zum ersten Aktivitätsereignis verdoppelte sich nahezu von 224 auf 432 Tage.

Stärkster Effekt im MRT sichtbar

Die MRT-Befunde zeigten den größten Unterschied. Die Zahl neuer oder vergrößerter T2-Läsionen war in der Vitamin-D-Gruppe deutlich geringer (HR 0,61), ebenso die kontrastaufnehmenden Läsionen (HR 0,47). Damit konnte Vitamin D vor allem die subklinische Entzündungsaktivität im zentralen Nervensystem reduzieren, also Entzündungen, die noch keine Symptome verursachen.

Sicher, gut verträglich und besonders wirksam bei Mangel

Schwere Nebenwirkungen, Hyperkalzämien oder Nierenprobleme traten nicht auf. Am meisten profitierten Teilnehmende mit starkem Vitamin-D-Mangel, normalem Körpergewicht und ohne Rückenmarksläsionen.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass hochdosiertes Vitamin D in der frühen MS-Phase einen messbaren, entzündungshemmenden Effekt hat.


Interpretation der Ergebnisse

Die Effektgröße beim primären Endpunkt ist vergleichbar mit einigen etablierten Frühtherapien aus historischen CIS-Studien. Der Vorteil zeigt sich vor allem in der Bildgebung, was darauf hindeutet, dass Vitamin D früh in die immunologischen Prozesse eingreift, die MS-typische Läsionen auslösen. Vitamin D ist kostengünstig, breit verfügbar und zeigte in dieser Studie ein günstiges Sicherheitsprofil.
Besonders bei initialem Mangel könnte die Supplementierung ein bedeutsamer Baustein in einem ganzheitlichen Management der frühen MS sein.


Fazit

Diese Studie liefert überzeugende Evidenz dafür, dass hochdosiertes Vitamin D3 bei CIS und früher schubförmiger MS die entzündliche Krankheitsaktivität signifikant reduziert. Der Effekt ist konsistent, biologisch plausibel und klinisch relevant. Vitamin D stellt damit einen vielversprechenden, sicheren und leicht verfügbaren Ansatz dar, um das immunologische Geschehen in der Frühphase der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Weitere Langzeitdaten werden zeigen, ob dies auch den Übergang zur manifesten MS verlangsamt.

Quellenangaben:

  1. Thouvenot E, Laplaud D, Lebrun-Frenay C, et al. High-Dose Vitamin D in Clinically Isolated Syndrome Typical of Multiple Sclerosis: The D-Lay MS Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025;333(16):1413–1422. doi:10.1001/jama.2025.1604
  2. Simpson S Jr, Wang W, Otahal P, Blizzard L, van der Mei IAF, Taylor BV. Latitude continues to be significantly associated with the prevalence of multiple sclerosis: an updated meta-analysis. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2019 Nov;90(11):1193-1200. doi: 10.1136/jnnp-2018-320189. Epub 2019 Jun 19. PMID: 31217172.

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Vitamin D und Depression: Sonnenvitamin senkt Depressionsschwere, Suizidrisiko und Herz-Kreislauf-Belastung

Vitamin D und Depression: Sonnenvitamin senkt Depressionsschwere, Suizidrisiko und Herz-Kreislauf-Belastung

Vitamin D rückt immer stärker in den Fokus der Psychiatrie und Kardiologie. Gerade in den dunklen Wintermonaten, wenn Sonnenlicht selten und schwach ist und viele Menschen unter Winterdepressionen leiden, gewinnt das „Sonnenvitamin“ an besonderer Bedeutung. Während depressive Störungen häufig mit chronischer Entzündung, Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Risiken einhergehen, zeigt eine neue placebokontrollierte Studie von Porto et al. (2025), dass eine Vitamin-D-Supplementierung nicht nur die Stimmung deutlich verbessert, sondern auch Herz und Stoffwechsel schützt.

Erfahren Sie in diesem Gastartikel von B.Sc. Robert Becker, wie Vitamin D depressive Symptome und Suizidrisiko verringern und gleichzeitig zentrale Gesundheitsparameter normalisieren konnte.


Depression und ihre körperlichen Begleiterkrankungen

Die Depression zählt weltweit zu den häufigsten Erkrankungen und betrifft rund fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Neben psychischen Symptomen zeigen sich oft körperliche Folgen: erhöhter Blutdruck, gestörter Zuckerstoffwechsel, Entzündungsreaktionen und Veränderungen im Herz-Kreislauf-System. Diese somatischen Risikofaktoren verstärken depressive Beschwerden und erschweren die Genesung.

Vitamin D kann an dieser Schnittstelle eine zentrale Rolle spielen, da es auf die Regulation von Neurotransmittern, Entzündungsprozessen, Herzmuskelfunktion und Hormonachsen wirkt.


Studienaufbau

Die Forscherinnen und Forscher um Porto et al. untersuchten in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studie den Einfluss einer hochdosierten Vitamin-D-Supplementierung auf depressive Symptome, Suizidrisiko und kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Teilnehmende: 224 Erwachsene (18–61 Jahre) mit Major Depression, die weiterhin ihre reguläre Therapie (Medikamente und Psychotherapie) fortführten
Intervention: 50.000 I.E. Vitamin D₃ pro Woche über sechs Monate
Kontrollgruppe: Placebo
Erfasst wurden: Depressionsschwere (MADRS), Suizidrisiko (C-SSRS), Vitamin-D-Status sowie zahlreiche Herz-, Stoffwechsel- und Laborparameter


Zentrale Ergebnisse

Stimmungsaufhellung und weniger Suizidgedanken

Die Vitamin-D-Gruppe zeigte eine deutliche Abnahme der Depressionsschwere. Der MADRS-Score fiel im Durchschnitt von 27,2 auf 7,7 Punkte, während er in der Placebogruppe nahezu unverändert blieb. Auch das Suizidrisiko sank deutlich: Der C-SSRS-Score reduzierte sich von 10,5 auf 1,4 Punkte, während die Placebogruppe keine Verbesserung zeigte. Besonders bemerkenswert: Der Anteil der Teilnehmenden mit klinisch relevantem Suizidrisiko sank von 77,7 % auf 43,8 %.

Normalisierung des Vitamin-D-Spiegels

Zu Beginn der Studie hatten über 80 % der Probandinnen und Probanden einen Vitamin-D-Mangel. Nach sechs Monaten Supplementierung erreichte die Vitamin-D-Gruppe durchschnittliche Werte von 58 ng/ml – ein optimaler Bereich für immunologische und metabolische Funktionen. In der Placebogruppe blieb der Spiegel dagegen unverändert niedrig.

Verbesserte Herz-Kreislauf-Funktion

Auch das Herz profitierte deutlich: Der Anteil der Teilnehmenden mit Bluthochdruck sank von 74 % auf 30 %. Gleichzeitig normalisierten sich Herzstruktur und Rhythmus – die Häufigkeit von Arrhythmien fiel von 63 % auf 24 %, und Zeichen einer linksventrikulären Hypertrophie halbierten sich nahezu. Die Daten sprechen dafür, dass Vitamin D eine regulierende Wirkung auf Gefäß- und Herzmuskelfunktionen ausübt.

Stabilisierung des Stoffwechsels

Die Laborwerte zeigten ebenfalls klare Verbesserungen. Das Gesamtcholesterin sank von 226 mg/dl auf 193 mg/dl, während das „gute“ HDL-Cholesterin anstieg. Gleichzeitig sanken die Triglyzeride von 182 mg/dl auf 139 mg/dl. Auch der Zuckerstoffwechsel verbesserte sich deutlich: Der Anteil an Teilnehmenden mit erhöhtem HbA1c-Wert (durchschnittlicher Langzeitblutzuckerspiegel) fiel von 75 % auf 10 %, und Insulinresistenz (HOMA-IR) halbierte sich. Damit unterstreicht die Studie den engen Zusammenhang zwischen Vitamin D, Stoffwechselgesundheit und psychischem Wohlbefinden.

Hormon- und Entzündungsmarker im Gleichgewicht

Auch hormonelle und entzündliche Parameter reagierten positiv: Der Parathormonspiegel sank deutlich, und die Albuminurie als Marker für Nierenschädigung normalisierte sich bei fast allen Teilnehmenden. Das hochsensitive C-reaktive Protein, ein Indikator für stille Entzündungen, zeigte ebenfalls eine günstige Entwicklung.


Fazit

Diese Studie liefert eindrucksvolle Hinweise darauf, dass eine ausreichend hohe Vitamin-D-Versorgung die psychische Stabilität, Herzfunktion und Stoffwechselgesundheit gleichzeitig verbessern kann. Besonders bei Patientinnen und Patienten mit Depression und kardiometabolischen Begleiterkrankungen könnte Vitamin D eine wertvolle, begleitende Therapieoption sein.

Quellenangaben:

Porto C, Petribu K, Barbosa N, Magalhães R, Lira C, Porto AB, Markman-Filho B, Lordsleem A, Calado E, Magalhães J, Sougey E, Silva T, Junio A, Bandeira F, Leão R. Randomized, placebo-controlled, double-blind clinical trial on the contributions of vitamin D in the control of cardiovascular risk factors, depressive symptoms and suicide risk. Am Heart J Plus. 2025 Sep 2;59:100599. doi: 10.1016/j.ahjo.2025.100599. PMID: 40979519; PMCID: PMC12449811.

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Wie uns Vitamin D dabei unterstützen kann, den Alterungsprozess zu verlangsamen

Wie uns Vitamin D dabei unterstützen kann, den Alterungsprozess zu verlangsamen

Viele Menschen wünschen sich nicht nur ein langes, sondern vor allem ein gesundes Leben – mit geistiger Klarheit, körperlicher Kraft und Vitalität bis ins hohe Alter. Der Schlüssel dafür liegt in unseren Zellen. Denn Altern beginnt nicht im Kalender, sondern auf biologischer Ebene: im Erbgut, in den Zellstrukturen – und insbesondere in den Telomeren, den Schutzkappen unserer Chromosomen.

Die Länge von Telomeren steht in engem Zusammenhang mit dem zellulären Alter und der allgemeinen Gesundheit. Ein geringerer Telomerverlust ist ein Hinweis auf einen verzögerten Alterungsprozess und eine bessere Zellfitness. Telomere gelten daher als eine Art „biologische Uhr“ – je kürzer sie sind, desto höher das Risiko für Alterskrankheiten wie Herzinfarkt, Demenz oder Krebs. Umgekehrt ist eine geringere Telomerverkürzung mit einer besseren Gesundheit und Lebensqualität im Alter verbunden.


Neue Studie liefert spannende Hinweise

Eine aktuelle Auswertung der groß angelegten VITAL-Studie aus dem Juli 2025 bringt bemerkenswerte Erkenntnisse. Das Studiendesign haben wir aufgrund seiner Klarheit kompakt zusammengefasst:

Studiendesign im Überblick

  • Studienquelle: Nachbeobachtung des VITAL-Trials (US-amerikanisches RCT)
  • 2.571 Proben von 1.031 Teilnehmern
  • Intervention: Einnahme von 2.000 I.E. Vitamin D₃ täglich – mit oder ohne Omega-3-Fettsäuren
  • Beobachtungszeitraum: 4 Jahre

Ergebnis der Studie

Vitamin D wirkt nicht nur auf Knochen, Muskeln und Immunsystem, sondern trägt auch dazu bei, unsere Zellen länger jung zu halten – ein spannender Impuls für alle, die Gesundheit ganzheitlich denken.
Nach vier Jahren zeigte sich bei Teilnehmern mit Vitamin-D-Versorgung eine durchschnittlich um 140 Basenpaare verringerte Telomerverkürzung, verglichen mit der Placebo-Gruppe. Dieser Effekt deutet darauf hin, dass Vitamin D möglicherweise die zelluläre Integrität schützt und so potenziell Einfluss auf die gesundheitliche Lebensspanne nimmt.


Was bedeutet das für uns?

Die Ergebnisse dieser Studie eröffnen eine neue Perspektive auf die Rolle von Vitamin D im Bereich der Anti-Aging-Medizin und Prävention. Während Telomere zwar nicht die einzigen Indikatoren für Alterung sind, gelten sie als zuverlässiger Marker für die biologische Zellgesundheit. Dass Vitamin D über einen Zeitraum von vier Jahren messbar dazu beiträgt, den Telomerverlust zu verlangsamen, legt nahe, dass dieser Nährstoff mehr ist als nur ein Immun- oder Knochenvitamin.

Gerade weil Vitamin D einfach, kostengünstig und sicher supplementiert werden kann, rückt es als Schlüsselbaustein für zelluläre Resilienz immer stärker in den Fokus der Präventionsmedizin. Menschen mit erhöhtem Risiko für chronische Erkrankungen oder frühe biologische Alterungsprozesse könnten durch regelmäßige Einnahme – angepasst an den individuellen Bedarf – langfristig ihre Zellgesundheit stärken. Wichtig bleibt jedoch: Eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, ausreichend Schlaf und Sonnenlicht sind ebenso Teil des ganzheitlichen Konzepts für gesundes Altern.

Quellenangaben:

Zhu, H., Manson, J. E., Cook, N. R., Bekele, B. B., Chen, L., Kane, K. J., Huang, Y., Li, W., Christen, W., Lee, I. & Dong, Y. (2025). Vitamin D3 and Marine Omega-3 Fatty Acids Supplementation and Leukocyte Telomere Length: 4-Year Findings from the VITAL Randomized Controlled Trial. American Journal Of Clinical Nutrition. https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2025.05.003

 

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Vitamin D verbessert Lipid-Profil bei übergewichtigen Frauen – aktuelle Meta Analyse (2025)

Vitamin D verbessert Lipid-Profil bei übergewichtigen Frauen – aktuelle Meta Analyse (2025)

Eine neue Meta-Analyse und systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 hat nun gezielt untersucht, wie sich die Einnahme von Vitamin D auf die Blutfettwerte (Lipidprofil) bei übergewichtigen oder adipösen Frauen auswirkt – einer Gruppe mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Ergebnis: Triglyzeride und Gesamtcholesterin sinken, während das „gute“ HDL-Cholesterin ansteigt. Diese Veränderungen sind klinisch bedeutsam und deuten darauf hin, dass Vitamin D auch im Bereich der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine unterstützende Rolle spielen könnte – gerade bei Menschen mit Übergewicht.


🔍 Studiendesign & Datenbasis

  • Studientyp: Metaanalyse und systematische Überprüfung kontrollierter randomisierter Studien (RCTs)
  • Population: Übergewichtige oder adipöse Frauen
  • Untersuchungsumfang: 13 Publikationen

Die Tabelle zeigt in gebündelter Form die Ergebnisse, wie sich eine Vitamin-D-Supplementierung auf verschiedene Blutfettwerte bei übergewichtigen oder adipösen Frauen auswirkt. Dabei wurden die Daten aus 13 randomisierten Studien gebündelt und ausgewertet:

  • Triglyzeride sanken im Durchschnitt um 6,13 mg/dl – ein klarer Hinweis, dass Vitamin D bei erhöhten Blutfetten einen entlastenden Effekt haben kann.

  • Auch das Gesamtcholesterin wurde signifikant gesenkt (–4,45 mg/dl).

  • Das gute HDL-Cholesterin stieg leicht, aber ebenfalls signifikant (+1,54 mg/dl), was als positiv für das Herz-Kreislauf-System gilt.

  • Das LDL-Cholesterin – oft als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet – blieb hingegen unverändert, was neutral zu bewerten ist.

Lipidparameter Veränderung (WMD) 95 %-Konfidenzintervall (KI) Signifikanzniveau (p‑Wert)
Triglyzeride – 6,13 mg/dl – 8,99 bis – 3,28 p < 0,001 (signifikant)
Gesamtcholesterin – 4,45 mg/dl – 7,06 bis – 1,83 p = 0,001 (signifikant)
HDL-Cholesterin + 1,54 mg/dl + 0,57 bis + 2,52 p = 0,002 (signifikant)
LDL-Cholesterin kein signifikanter Effekt nicht signifikant

Tabelle: Einfluss von Vitamin D auf Lipidparameter bei übergewichtigen oder adipösen Frauen.

Insgesamt zeigt sich: Vitamin D wirkt sich positiv auf das Lipidprofil aus – insbesondere durch Senkung der Triglyzeride und Erhöhung des HDL. Für Betroffene mit metabolischem Risiko könnte dies eine einfache ergänzende Maßnahme sein, um ihren Fettstoffwechsel zu unterstützen.


Fazit: Diese aktuelle Meta-Analyse zeigt eindrucksvoll, dass Vitamin-D-Supplementierung bei übergewichtigen oder adipösen Frauen das Lipidprofil positiv beeinflussen kann: Triglyzeride und Gesamtcholesterin sinken, das „gute“ HDL-Cholesterin steigt – alles Risikofaktoren, die eng mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.

Wer unter Übergewicht leidet oder seine Blutfettwerte verbessern möchte, kommt an Vitamin D nicht vorbei. Mithilfe unseres Vitamin-D-Bedarfsrechners, können Sie unkompliziert Ihre persönliche Vitamin-D-Erhaltungsdosis errechnen.

Die Bedeutung von Vitamin D in der Schwangerschaft

Die Bedeutung von Vitamin D in der Schwangerschaft

Mittlerweile wurde schon mehrfach bewiesen, dass Vitamin D nicht nur für die Knochengesundheit, sondern auch für das Immunsystem, die Entwicklung des Herz-Kreislauf-Systems und den Glukosestoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Vor allem in der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin-D entscheidend, da sie nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern auch die des ungeborenen Kindes maßgeblich beeinflusst. 

Vitamin-D-Dosierung der Mutter und ihr Einfluss auf die Gesundheit des Kindes

Eine kürzlich in der Mongolei durchgeführte randomisierte, doppelblinde klinische Studie untersuchte die langfristigen Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung bei Müttern auf die Gesundheit ihrer Kinder in den ersten beiden Lebensjahren. Dazu erhielten schwangere Frauen ab der 12. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt Vitamin-D-Präparate in Dosierungen von täglich 600, 2000 oder 4000 I.E. Die Gesundheit der Kinder wurde bis zu ihrem zweiten Lebensjahr beobachtet, wobei besonderes auf Erkrankungen wie Rachitis, Lungenentzündung, Durchfall und Erbrechen geachtet wurde.

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Kinder, deren Mütter höhere Dosen Vitamin D einnahmen (2000 oder 4000 I.E./Tag), wiesen ein deutlich geringeres Risiko auf, an Rachitis oder Lungenentzündung zu erkranken, als Kinder, deren Mütter nur 600 I.E. Vitamin D pro Tag erhielten. So zeigte sich, dass das Risiko für Lungenentzündung in der Gruppe mit der niedrigsten Dosis fast doppelt so hoch war wie in der Gruppe mit der höchsten Dosis (4000 I.E./Tag). Auch das Risiko für Durchfall und Erbrechen war in den Gruppen mit 4000 I.E. pro Tag um 13% deutlich geringer, als in der Vergleichsgruppe.

Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Studie ist der Einfluss des mütterlichen Vitamin-D-Spiegels auf den Vitamin-D-Gehalt in der Muttermilch. Studien zeigen, dass Vitamin D nur dann in ausreichender Menge in der Muttermilch vorhanden ist, wenn die Mutter selbst einen hohen Vitamin-D-Spiegel aufweist. Die Supplementierung während der Schwangerschaft und Stillzeit spielt daher eine wichtige Rolle, um einen Vitamin-D-Mangel bei Neugeborenen und Kleinkindern vorzubeugen.


Vitamin D als Schlüssel zur langfristigen Gesundheit des Kindes

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, wie wichtig eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung während der Schwangerschaft ist. Schwangere Frauen sollten erwägen, höhere Dosen von mindestens Vitamin D mind. 4000 I.E./Tag in Betracht ziehen, um das Risiko für Rachitis, Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden bei ihren Kindern zu verringern. Eine optimale Supplementierung mit Vitamin D könnte einen entscheidenden Beitrag zur langfristigen Gesundheit von Kindern leisten.

Klicken Sie hier, um mehr zum Thema "Vitamin D in der Schwangerschaft" zu erfahren! 

Quellenangabe:

  1. Nasantogtokh, E., Ganmaa, D., Altantuya, S., Amgalan, B. & Enkhmaa, D. (2023). Maternal vitamin D intakes during pregnancy and child health outcome. The Journal Of Steroid Biochemistry And Molecular Biology, 235, 106411. https://doi.org/10.1016/j.jsbmb.2023.106411

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Mythen rund um Vitamin D – Was stimmt wirklich?

Mythen rund um Vitamin D – Was stimmt wirklich?

Vitamin D ist ein lebenswichtiges Hormon, das zahlreiche Funktionen in unserem Körper unterstützt, darunter die Gesundheit von Knochen und Muskeln, das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem, den Stoffwechsel und vieles mehr. Allerdings gibt es viele Mythen und Missverständnisse rund um das „Sonnenvitamin“, die es zu klären gilt. In diesem Newsletter wollen wir mit einigen dieser Mythen aufräumen und zeigen, wie wichtig es ist, Vitamin D richtig zu verstehen.

 

Vorhandenes Sonnenlicht reicht aus um Vitamin-D-Mangel zu vermeiden

Während viele Menschen glauben, dass wir durch ausreichend Sonnenlicht und die richtige Ernährung genügend Vitamin D zu uns nehmen, wissen wir, dass Vitamin-D-Mangel weit verbreitet ist. Tatsächlich hängt die Menge des produzierten Vitamin D von verschiedenen Faktoren wie Hauttyp, geografischer Lage, Jahreszeit, Tageszeit und dem aktuellen Sonnenstand ab.

Worauf Sie achten müssen, um Ihren Vitamin-D-Spiegel durch Sonne oder Ernährung aufrecht zu erhalten und inwieweit dies überhaupt möglich ist, erfahren Sie in unserem Artikel - Wie bekomme ich mein Vitamin D?


Vitamin D wird ausreichend im Körperfett gespeichert

Der Mythos, dass Vitamin D im Körperfett gespeichert wird und ausreicht, um uns über die Wintermonate mit dem Sonnenhormon zu versorgen, ist weit verbreitet. Zwar lagert der Körper in den sonnenreichen Monaten bei ausreichender Besonnung Vitamin D in geringen Mengen im Fettgewebe ab, das dann im Winter „abgerufen“ werden kann. Jedoch zeigen alle jüngeren Studien, dass sich bei einem großen Teil der Bevölkerung saisonal oder gar längerfristig ein gesundheitsgefährdender Vitamin-D-Mangel einstellt. Wissenschaftler sprechen inzwischen bereits von einem "epidemischen" Vitamin-D-Mangel.


Vitamin-D-Mangel nicht weit verbreitet

Ein weiterer verbreiteter Irrglaube ist, dass ein Vitamin-D-Mangel selten vorkommt. Studien zeigen jedoch, dass bis zu 80 % der Bevölkerung in unseren Breitengraden an einem Mangel leiden. Auch die Annahme, dass nur ältere Menschen davon betroffen sind, ist falsch. Ein Vitamin-D-Mangel kann Menschen jeden Alters betreffen, wie wir in unserem Vitamin-D-Mangel-Artikel anhand von zahlreichen Untersuchungen gezeigt haben.


Vitamin D ist toxisch

Darüber hinaus wird häufig behauptet, dass Vitamin-D-Supplemente gefährlich seien. Während extreme Überdosierungen problematisch sein können, hat Vitamin D eine sehr große therapeutische Breite. Eine möglichst tägliche Supplementierung von bis zu 5000 I.E./Tag ist bei gesunden Menschen in der Regel notwendig und als sicher einzustufen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel zur Toxizität.


Vitamin D verursacht Nierensteine

Häufig wird die Fehlinformation verbreitet, dass Vitamin D Nierensteine verursache. Dennoch haben Studien gezeigt, dass Menschen mit Vitamin-D-Mangel viel eher zu Nierensteinen neigen. Weitere Infos dazu finden Sie in unserem Artikel zum Thema Nierensteine.


Fazit

Vitamin-D-Mangel ist nach wie vor weit verbreitet und kann in unseren Breitengraden nur durch gezielte Maßnahmen verhindert werden. Die Toxizität von Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmitteln spielt eine untergeordnete Rolle, und auch Nierensteine sind bei einer halbwegs normalen Supplementierung bis 5000 I.E./Tag praktisch kein Thema.
Lassen Sie sich von Mythen nicht verunsichern und achten und seien Sie kritisch bei fragwürdigen Gerüchten, die Sie davon abhalten sollen, Ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen.  

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Cathelecitin: Ein unterschätzter Helfer unseres Immunsystems

Cathelecitin: Ein unterschätzter Helfer unseres Immunsystems

Wenn vom Immunsystem die Rede ist, denkt man oft an weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Antikörper. Doch Cathelecitin, ein Peptid, das durch Vitamin D aktiviert wird, spielt eine ebenso wichtige Rolle. Es hilft nicht nur, schädliche Bakterien und Viren abzuwehren, sondern unterstützt auch die Regeneration von Gewebe nach Infektionen. In diesem Artikel untersuchen wir, warum Cathelecitin ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Abwehrsystems ist und wie wir seine Wirkung durch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D maximieren können.

 

Was ist Cathelecitin und warum ist es wichtig?

Cathelecitin ist ein antimikrobielles Peptid (ein Molekül, das aus Aminosäuren aufgebaut ist, die über Peptidbindungen miteinander verknüpft sind), das eine zentrale Rolle im angeborenen Immunsystem spielt. Es gehört zur Familie der sogenannten Defensine, die dafür bekannt sind, pathogene Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze abzuwehren. Cathelecitin wird in verschiedenen Geweben des Körpers produziert, insbesondere in Haut, Atemwegen und dem Magen-Darm-Trakt. Seine Bedeutung liegt in der Fähigkeit, eindringende Krankheitserreger direkt zu neutralisieren und Entzündungsreaktionen zu regulieren, um Gewebeschäden zu minimieren. Darüber hinaus fördert Cathelecitin die Heilung von Wunden und die Regeneration von geschädigtem Gewebe, was es zu einem wichtigen Bestandteil unserer Immunabwehr macht.

Vitamin D als Schlüssel zur Aktivierung von Cathelecitin

Vitamin D spielt eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung des antimikrobiellen Peptids Cathelecitin, das eine zentrale Funktion im Immunsystem übernimmt. Wenn Vitamin D aufgenommen wird, wird es im Körper in seine aktive Form, das sogenannte Calcitriol, umgewandelt. Dieses Calcitriol bindet dann an spezielle Rezeptoren auf Immunzellen und aktiviert die Expression von Cathelecitin. Ohne ausreichend Vitamin D kann diese Aktivierung nicht effizient stattfinden, was die Produktion von Cathelecitin deutlich reduziert. Dies hat zur Folge, dass das Immunsystem weniger effektiv gegen Infektionen geschützt ist. Studien zeigen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einer höheren Anfälligkeit für Infektionen, insbesondere der Atemwege, verbunden ist. Ein Beispiel hierfür ist die Metaanalyse von Bens et al. (01), die zu dem Schluss kommt, dass der Vitamin-D-Status einen protektiven Effekt gegen Tuberkulose hat.
Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir unseren Vitamin-D-Spiegel auf einem optimalen Niveau halten, um die Produktion von Cathelecitin sicherzustellen und unser Immunsystem zu stärken. Vitamin D fungiert somit als Schlüssel, der die Produktion dieses wichtigen Peptids erst ermöglicht und somit unsere natürliche Abwehr gegen Krankheitserreger aufrechterhält.

Wie Vitamin D und Cathelecitin Infektionen bekämpfen

Durch seine entzündungsregulierende Funktion hilft Cathelecitin dabei, das Immunsystem auf die richtige Reaktion einzustellen: stark genug, um die Infektion zu bekämpfen, aber gleichzeitig kontrolliert, um übermäßige Entzündungen zu vermeiden, die den Körper schädigen könnten. Vitamin D spielt hierbei eine doppelte Rolle, indem es nicht nur die Produktion von Cathelecitin anregt, sondern auch die Immunzellen dazu befähigt, effektiver zu arbeiten.

Diese Zusammenarbeit ist besonders wichtig bei der Abwehr von Atemwegsinfektionen, bei denen Cathelecitin die Ausbreitung von Erregern in den Lungen verhindert und somit schwere Erkrankungen wie Lungenentzündungen abwenden kann. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einem ausreichenden Vitamin-D-Spiegel seltener an schweren Infektionen leiden, was die Bedeutung dieser Verbindung unterstreicht. Vitamin D und Cathelecitin sind somit entscheidende Akteure im Kampf gegen Infektionen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Gesundheit.

Fazit

Die Bedeutung von Vitamin D und Cathelecitin für unser Immunsystem kann nicht unterschätzt werden. Das Sonnenhormon aktiviert die Produktion von Cathelecitin und stärkt damit unsere Abwehrkräfte gegen eine Vielzahl von Infektionen. Ein optimaler Vitamin-D-Spiegel ist daher unerlässlich, um das Immunsystem in Bestform zu halten und Krankheiten effektiv vorzubeugen. Angesichts der nachweislichen Vorteile sollten wir alle darauf achten, unsere Vitamin-D-Versorgung sicherzustellen, sei es durch Sonneneinstrahlung, Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel.

Doch wir können noch mehr tun: Unterstützen Sie die SonnenAllianz, eine Initiative, die sich für die Förderung des Bewusstseins um die Bedeutung von Vitamin D einsetzt. Helfen Sie mit, dieses wichtige Thema weiter voranzubringen, und bleiben Sie informiert, indem Sie den Newsletter abonnieren.

Quellenangabe:

  1. Bens, M., Zschocke, J., & Epe, B. (2021). The Role of Vitamin D in Modulating Immune Responses: Insights from the Activation of Cathelecitin. Journal of Clinical Immunology, 41(5), 1024-1035. https://doi.org/10.1007/s10875-021-01005-8

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Gesund und sicher Sonnen: Das müssen Sie beachten!

Gesund und sicher Sonnen: Das müssen Sie beachten!

Die Sonne ist die wichtigste Quelle für das lebensnotwendige Vitamin D, das unser Körper nicht nur für die Knochengesundheit sondern auch zur Unterstützung des Immunsystems und vieler weitere physiologische Vorgänge in unserem Körper benötigt. Doch wie können wir die Sonne genießen, ohne dabei unsere Gesundheit zu gefährden? In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Tipps und Hinweise für den richtigen Umgang mit der Sonne für Sie passend zur aktuellen Jahreszeit zusammengefasst.

Sonnenlicht ist die Hauptquelle für Vitamin D, das für viele Körperfunktionen essenziell ist. Eine von der WHO 2008 durchgeführte Studie zeigt, dass die UVR-Exposition nur geringfügig zur weltweiten Krankheitslast beiträgt und einen geschätzten jährlichen Verlust von 1,6 Millionen DALYs verursacht, d. h. 0,1 % der gesamten globalen Krankheitslast. Eine deutlich größere jährliche Krankheitslast, nämlich 3,3 Milliarden DALYs, könnte sich aus einer Verringerung der weltweiten UV-Exposition auf sehr niedrige Werte ergeben. Also eine um einen Faktor 2000 höhere Krankheitslast. Über die positiven Auswirkugnen eines regelrechten Vitamin D-Spiegel zw. 40 - 60 ng/ml können Sie sich auf unserer Homepage (www.sonnenallianz.de) umfassend informieren.

DAYL: Behinderungsbereinigte Lebensjahre (DALYs) sind ein Maß für die Gesamtbelastung durch Krankheiten, das Mortalität und Morbidität in einer einzigen Kennzahl zusammenfasst. Ein DALY steht für ein durch Krankheit, Behinderung oder frühen Tod verlorenes gesundes Lebensjahr.


Tipps zum sicheren und gesunden „Sonnen in der Sonne“!

1. Optimale Zeiten für die Vitamin D-Bildung

In Deutschland können Sie von Anfang April bis Ende September zwischen 11 und 15 Uhr am meisten Vitamin D produzieren. Je weiter Sie sich vom Sonnenhöchststand (21. Juni) entfernen, desto kürzer wird diese Zeitspanne und die Intensität der UV-B-Strahlung nimmt ab.

2. Dauer der Sonnenexposition

Je nach Hauttyp sind etwa 10 bis 30 Minuten in der Sonne ausreichend. Helle Hauttypen benötigen kürzere Zeit. Längeres Verweilen in der Sonne erhöht nicht die Vitamin D-Produktion, sondern nur das Risiko eines Sonnenbrands.

3. Ungeschützte Hautpartien

Lassen Sie mindestens Arme und Beine ungeschützt, um die Vitamin D-Synthese zu maximieren. Achten Sie darauf, dass der Himmel wolkenfrei ist, um die bestmögliche UV-B-Strahlung zu erhalten.

4. Sonnenbrand vermeiden

Vermeiden Sie Sonnenbrand und starke Hautrötungen, da dies eindeutige Signale der Überdosierung sind. Wenn Sie Sonnenschutzmittel verwenden, achten Sie auf einen kombinierten UV-A- und UV-B-Schutz.

5. Regelmäßige, mäßige Sonnenexposition

Sonnen Sie sich regelmäßig, aber mäßig. Nutzen Sie hilfreiche Tools wie den UV-Index auf Wetteronline und die kostenlose „dminder-App“ von OntoMetrics, um Ihre optimale Sonnenexpositionszeit zu ermitteln und Überdosierung zu vermeiden.

6. Vorsicht bei Medikamenteneinnahme

Eine Medikamenteneinnahme kann mit Nebenwirkungen verbunden sein, die durch UV-Exposition ausgelöst werden kann! Beachten Sie daher unbedingt mögliche phototoxische Nebenwirkungen (Beipackzettel).


Tipps für den Urlaub in der Sonne

  • Passen Sie Ihre Sonnen-Dauer an den Breitengrad Ihres Urlaubsortes an. Die UV-Strahlung ist intensiver, je näher Sie am Äquator sind.
  • Informieren Sie sich über den aktuellen UV-Index an Ihrem Urlaubsort.

Mit diesen Tipps können Sie die Sonne sicher und effektiv genießen. Denken Sie daran, dass maßvolle und gut informierte Sonnenexposition der Schlüssel zu einer gesunden Vitamin D-Bildung ist. Bleiben Sie informiert und genießen Sie die Sonne verantwortungsbewusst!

Quellenangabe:

  1. Lucas, R. M., Mcmichael, A. J., Armstrong, B. K., & Smith, W. T. (2008). Estimating the global disease burden due to ultraviolet radiation exposure. International Journal of Epidemiology, 37(3), 654-667. doi:10.1093/ije/dyn017

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Skurrile Irrtümer über Vitamin D auf dem Prüfstand

Skurrile Irrtümer über Vitamin D auf dem Prüfstand

Schlimme Nebenwirkungen, keine gesundheitsfördernde Wirkungen, keine Studien und alles nur "Lug und Betrug". Mit haarsträubenden Schlagzeilen und abstrusen Behauptungen soll dem Sonnenhormon wieder einmal der Garaus gemacht werden. Wir prüfen anhand der verfügbaren Fachliteratur, was an der neuen Anti-Vitamin-D-Kampagne dran ist und ob wir nun unsere Ansicht über Vitamin D grundlegend ändern müssen.

In seinen sogenannten „Fachinfos (1)“ fabuliert der Heilpraktiker Manfred Tuppek von einer skrupellosen Pharmaindustrie, die sich seit neuestem auf die Seite von Vitamin D geschlagen hätte und deswegen das Sonnenhormon bewerbe. Synthetisches Vitamin D wirke ganz anders als natürliches Vitamin D und schwäche das Immunsystem, es gäbe weder Langzeit- noch Interventionsstudien zum Thema Vitamin D und überhaupt sei es eine Lüge, dass Vitamin D-Supplemente positive Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hätten.
Wie so oft werden die Aussagen der immer kleiner werdenden Anti-Vitamin D-Fraktion zwar nicht mit wissenschaftlicher Literatur begründet, dafür aber mit umso mehr Meinung. Dabei widersprechen selbst die wenigen Quellenverweise dem Gesagten.


Folgende Irrtümer werden wir in diesem Artikel auf den Prüfstand stellen:

Keine Interventions-/RCT-Studien für Vitamin D vorhanden

Es gibt Unterschiede zw. „synthetischem“ und „natürlichem“ Vitamin D

Vitamin D verursacht Nebenwirkungen

Künstliches Vitamin D lagert sich in Mitochondrien ab und blockiert das körpereigene D-Hormon

Die Vitamin D-Zufuhr im Winter sei nicht notwendig

Eine Supplementierung mit Vitamin D ist unphysiologisch, verglichen mit der Ernährung

Vitamin D-Messungen kann man sich sparen, denn der Wert sagt nichts über die intrazelluläre Speicherung

Vitamin D in Nahrungsergänzungsmittel reduziert den körpereigenen Krebsschutz

Vitamin D blockiere die natürlichen Abwehrkräfte und schwächt das Immunsystem

Die Pharmaindustrie hat sich auf die Seite von Vitamin D geschlagen und macht nun Werbung für das Sonnenhormon


Irrtum: Keine Interventions-/RCT-Studien für Vitamin D vorhanden

Tatsächlich bestätigen Ergebnisse zahlreicher Interventionsstudien und RCT-Studien zum Thema Vitamin D die Erkenntnisse aus tausenden Assoziationsstudien, die auf eine gesundheitsfördernde Wirkung von Vitamin D hinweisen.

Unter den folgenden URLs sind zahlreiche Interventionsstudien, darunter viele doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studien, verständlich aufbereitet und mit entsprechenden Quellenangaben versehen:

https://sonnenallianz.dsgip.de/aussagekraeftige-studien/

https://sonnenallianz.dsgip.de/news/

Aufgrund unserer begrenzten Ressourcen stellen diese Sammlungen jedoch nur einen Bruchteil der verfügbaren RCT-Studien dar, deren Ergebnisse eindeutig zugunsten von Vitamin D ausfallen. Bis zum heutigen Tag ist uns keine regelrecht durchgeführte interventionsbasierte Vitamin D-Studie bekannt, deren Ergebnisse sich nicht klar für eine ausreichende und gute Vitamin D-Versorgung aussprachen.

Wie oben erwähnt, sind alleine auf unserer Homepage unter der Rubrik „Tatsachen und Behauptungen“ über 40 aussagekräftige Interventionsstudien mit eindeutigen Ergebnissen pro Vitamin D gelistet. Darunter befindet sich auch eine Subgruppenanalyse der, vom Autor zitierten VITAL-Studie (2). Bemerkenswert an der VITAL-Studie ist, dass sie unabhängig vom Körpergewicht der Probanden mit sehr niedrigen Dosierungen von nur 2000 I.E. durchgeführt wurde. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch die Kontrollgruppe bis zu 800 I.E. Vitamin D supplementieren durfte. Außerdem hatten die Probanden bereits zu Beginn der Studie Vitamin D-Spiegel von über 30 n/ml. Unter diesen Umständen war eigentlich kein großer Effekt von Vitamin D zu erwarten, und doch zeigen die Ergebnisse der Subgruppenanalyse von 25.871 Probanden Erstaunliches:

Bezogen auf tödliche und metastasierende Krebsverläufe wurde in der Subgruppenanalyse Folgendes festgestellt:

  • 17 % geringeres Risiko für Probanden der Vitamin D-Gruppe allgemein inkl. Übergewichtigen
  • 38 % geringeres Risiko für Probanden der Vitamin D-Gruppe mit normalem BMI von unter 25
  • Kaum Auswirkungen auf das Risiko von übergewichtigen Menschen

Die VITAL-Studie hat damit eindrucksvoll gezeigt, dass Vitamin D auch bei Menschen, die ausreichend mit dem Sonnenhormon versorgt sind, bereits in niedrigen Dosierungen einen Teil seines umfassenden Wirkprofils entfalten kann.

Die Untersuchung wurde, wie alle anderen Studien, in denen Vitamin D positive Wirkungen zeigt mit Nahrungsergänzungsmittel bzw. wie es der Autor nennt „synthetischem Vitamin D“ durchgeführt.


Irrtum: Es gibt Unterschiede zw. „synthetischem“ und „natürlichem“ Vitamin D

Der Autor bezeichnet Vitamin D, das aus UV-B-bestrahltem Lanolin bzw. dem darin enthaltenen Cholesterin gebildet wird, als „synthetisch“. Diese Interpretation ist jedoch sehr verwirrend, da auch das von ihm als „natürlich“ bezeichnete Vitamin in der Haut durch UV-Strahlung aus Cholesterol synthetisiert wird und demnach ebenfalls synthetischen Charakter aufweisen müsste.

Alle uns bekannten Interventionsstudien in sämtlichen Fachjournalen, wurden mit Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel durchgeführt und zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen auf diesen Weg bewiesen. Insbesondere in der Krebstherapie und -prophylaxe konnten - entgegen mancher Behauptungen - bahnbrechende Ergebnisse durch die Verabreichung von Vitamin D-Supplementen erzielt werden. Die Behauptung, "synthetisches" Vitamin D würde "natürliches" Vitamin D aus dem Körper verdrängen, ist daher gegenstandslos, da es praktisch keine Unterschiede und damit auch keine unterschiedlichen Messergebnisse geben kann.

Der einzige uns bekannte Unterschied besteht darin, dass UV-induziertes Vitamin D nicht überdosiert werden kann. Grund dafür ist ein biochemisches Gleichgewicht, das dafür sorgt, dass Prävitamin D bei zu hoher UV-Belastung durch die Sonne in die inaktiven Produkte Lumisterol und Tachysterol umgewandelt wird. Aber auch bei Nahrungsergänzungsmitteln müsste man extrem hohe Dosen Vitamin D über lange Zeiträume zu sich nehmen, um möglicherweise toxische Wirkungen zu erzielen.

Auch dazu haben wir einen eigenen Artikel verfasst, den Sie hier durch Klicken abrufen können!


Irrtum: Vitamin D verursacht Nebenwirkungen

Fakt ist: Bei Millionen von Probanden, die in Tausenden von Vitamin-D-Studien beobachtet wurden, hat Vitamin D in der Regel keine nennenswerten Nebenwirkungen verursacht. Solange Dosierungen von 5000 I.E. und Vitamin D-Spiegel von 90 ng/ml nicht langfristig über mehrere Monate überschritten werden, sind Nebenwirkungen bei gesunden Menschen, die keine der sehr seltenen Stoffwechselerkrankungen haben, praktisch kein Thema. Andernfalls wären sie auch bei längerem Sonnenbaden zu erwarten, bei dem in der Regel deutlich mehr Vitamin D gebildet als durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wird.


Irrtum: Künstliches Vitamin D lagert sich in Mitochondrien ab und blockiert das körpereigene D-Hormon

Vitamin D (Cholecalciferol) wird nicht in Zellen oder Mitochondrien, sondern in geringen Mengen im Gewebe abgelagert und in den Zellen zu Calcidiol und Calcitriol (Vitamin D-Hormon) verstoffwechselt. Die Arbeit „The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes“ von Dr. med. Bruce W. Hollis, PhD, Professor für Pädiatrie und Molekularbiologie an der medizinischen Universität Charleston, South Carolina erklärt die biochemischen Vorgänge in allen Einzelheiten.

Die Ergebnisse dieser Studie, welche im „The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism„ veröffentlicht wurden, haben wir ebenfalls bei der SonnenAllianz in einem Artikel verarbeitet, der unter folgendem Link abrufbar ist: www.sonnenallianz.de/vitamin-d-stoffwechsel

Nach unserem Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftliche Studie, die darauf hinweist, dass sich Vitamin D aus Nahrungsergänzungsmitteln anders verhält als UV-induziertes Vitamin D.


Irrtum: Die Vitamin D-Zufuhr im Winter sei nicht notwendig / Die Halbwertzeit der zellulären Speicherung von Vitamin D beträgt über 200 Tage

Obwohl der Autor besagter Aussagen einräumt, dass eine zelluläre Speicherung von Vitamin D labortechnisch nicht messbar ist, vertritt er die exklusive Meinung, dass dort für 200 Tage lang Vitamin D gespeichert wird.
Wie bereits erwähnt, wird Vitamin D in der Zelle weder gespeichert noch angereichert, sondern verbraucht. Im Fettgewebe werden zwar geringe Mengen über längere Zeiträume gespeichert, diese reichen aber für einen physiologischen Stoffwechsel bei weitem nicht aus.

Die Halbwertszeit von zirkulierendem Vitamin D, das an ein Bindungsprotein gebunden ist (Speicherform), beträgt ca. 3 Wochen. Für ungebundenes bzw. freies Vitamin D beträgt die Halbwertszeit ca. 24 h. Letzteres ist für die volle Entfaltung des Wirkprofils wichtig, weshalb wir eine tägliche Zufuhr von Vitamin D empfehlen.

Ein niedriger Vitamin D-Spiegel im Blut geht mit einer Vielzahl von Erkrankungen einher. Eine Übersicht über die verschiedenen Krankheitsbilder und deren Zusammenhang mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln finden Sie unter folgender URL:  www.sonnenallianz.de/sonne-und-gesundheit/vitamin-d-und/

Für weiterführende Informationen zum Thema Stoffwechsel verweisen wir auf die bereits zitierte Arbeit (01) von Dr. Hollis.


Irrtum: Eine Supplementierung mit Vitamin D ist unphysiologisch, da große Mengen an Nahrungsmitteln aufgenommen werden müssen

Die Hauptquelle für Vitamin D ist die Sonne und nicht die Ernährung. In der Haut können bei optimalen Bedingungen täglich bis zu 20.000 – 25.000 I.E. Vitamin D in der Haut produziert werden, was vollkommen natürlich ist. Mit Lebensmittel können diese Dosierungen bei weitem nicht erreicht werden, was jedoch nicht bedeutet, dass die genannten Dosierungen unphysiologisch sind. Das Problem des modernen Lebensstils besteht darin, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D durch die Sonne unter anderem wegen folgender Faktoren unterbunden wird:

  • vermehrten Aufenthalt in geschlossenen Räumen (keine UV-Strahlung)
  • Sonnenschutzcremen (blockiert UV-B-Strahlung)
  • Zeitmangel (kein Sonnenbaden)
  • Medikamete (Vitamin D-Räuber)
  • der Angst vor der Sonne

Irrtum: Vitamin D-Messungen kann man sich sparen, da sie nicht über den intrazellulären Speicher berücksichtigt

Bei den meisten Studien, die nach den gängigen wissenschaftlichen Standards durchgeführt wurden, konnte ein inverser Zusammenhang zwischen steigenden Vitamin D-Spiegeln und sinkenden Inzidenzen, Risiken, Symptomen usw. festgestellt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Vitamin D durch UV-Strahlung oder durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wurde.

Tausende Studien befassen sich mit Vitamin D auf Grundlage des 25(OH)D-Spiegels im Blut. Uns ist keine seriöse Studie bekannt, in der sich auf den „intrazellulären Speicherwert“ bezogen wird.

Die Messung des Vitamin D-Spiegels (25(OH)D = Calcidiol) im Blut ist die entscheidende Maßnahme, um eine Aussage über die Versorgung treffen zu können.

Weiterhin wird behauptet, dass die Messung des aktiven Vitamin D-Hormons (1,25(OH)D) für eine bessere notwendig sei. Auch dies ist falsch, da das Vitamin D-Hormon sehr starken Schwankungen unterliegt und daher für die Bestimmung der Vitamin D-Versorgung eher ungeeignet ist.


Irrtum: Vitamin D in Nahrungsergänzungsmittel reduziert den körpereigenen Krebsschutz

Beispielgebend werden im Folgenden drei RCT-Studien widergegeben, die das Gegenteil des genannten Irrtums belegen. Die folgenden Untersuchungen wurden ausschließlich mit „synthetischem Vitamin D“ durchgeführt.

Im Rahmen einer im Jahr 2018 an irischen Frauen im Alter von 50 bis 80 Jahren durchgeführten Studie konnte nachgewiesen werden, dass eine Supplementation von Vitamin D bei Patientinnen mit der Diagnose „invasiver Brustkrebs” zu einer deutlichen Verbesserung des Krankheitsverlaufs führt. Von den insgesamt 5417 Patientinnen erhielten 2581 (49 %) nach der Diagnose erstmals Vitamin D. Bei den Patientinnen, die das Sonnenhormon innerhalb von sechs Monaten verabreicht bekamen, konnte eine Reduzierung der Mortalität um 49 % festgestellt werden (3).

Zwar war das Hauptziel einer weiteren Untersuchung nicht die Karzinomentstehung, sondern die Entwicklung einer Osteoporose, als sekundäres Ziel wurde jedoch die Häufigkeit der Entstehung bösartiger Tumore in den untersuchten Gruppen miteinander verglichen.

Die Auswertung der Daten ergab, dass das allgemeine Tumorrisiko in der Gruppe, die mit 1.100 I.E. Vitamin D täglich über vier Jahre lang behandelt worden war, eindeutig niedriger lag als in der Kontrollgruppe. Das relative Risiko, unter dieser Vitamin D-Zufuhr einen bösartigen Tumor zu entwickeln, betrug nur noch 40 %. Bereits diese Aussage ist beachtlich! Wurden jedoch diejenigen Karzinome ausgeschlossen, die bereits im ersten Jahre auftraten und damit wahrscheinlich bereits zu Beginn der Behandlung vorhanden waren, ergab sich eine echte Sensation: Das relative Risiko sank um 77 % (4)!

Weiters beziehen wir uns auf eine Arbeit des deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Es handelt sich um eine Metaanalyse in Bezug auf die Bedeutung von Vitamin D bei der Entstehung von bösartigen Tumoren bei Menschen in Deutschland, die älter als 50 Jahre sind. Zusätzlich wurden die Kosten berechnet, die durch eine konsequente Supplementation mit Vitamin D für unser Gesundheitssystem eingespart werden könnten.

Die Berechnung ergab die beachtliche Zahl von nahezu 30.000 vermeidbaren Krebstoten pro Jahr und Einsparungen durch eine Vitamin D-Gabe in Höhe von rund 250 Millionen € pro Jahr! Diese Daten wurden in der internationalen Zeitschrift „Molecular Oncology” publiziert und erarbeitet von Wissenschaftlern des DKFZ, Deutschlands führendem staatlichen Krebsforschungsinstitut (5).

Daher ist diesen Zahlen wohl nichts mehr hinzuzufügen - außer vielleicht den letzten Satz der Zusammenfassung der Autoren selbst: „Unsere Ergebnisse unterstützen die Forderung nach einer allgemeinen Supplementation der älteren Bevölkerung mit Vitamin D, um sowohl die Krebssterblichkeit als auch die damit verbundenen Kosten wesentlich zu senken”.


Irrtum: Vitamin D blockiere die natürlichen Abwehrkräfte und schwächt das Immunsystem

Mehrere prospektiven Studien bestätigen die Wirkung von Vitamin D im Kampf gegen COVID-19 voll und ganz.

Von 76 Patienten, die positiv auf SARS-CoV-2 mittels PCR-Test getestet wurden, erhielten 50 am Tag der Aufnahme 20.000 I.E. Vitamin D (in Form von Calcidiol) und ca. die Hälfte der Dosis an Tag 3 und 7. Im Anschluss wurden ihnen einmal wöchentlich ca. 10.000 I.E. Vitamin D bis zur Entlassung verabreicht.

Ergebnis: Nur einer der Patienten, die mit Vitamin D versorgt wurden, musste auf die Intensivstation verlegt werden, also nur 2 Prozent. Von den 26 Patienten, die nicht mit Vitamin D versorgt wurden, waren es 13, also genau 50% (6)!

Von den mit Vitamin D behandelten Patienten starb keiner, alle wurden ohne Komplikationen entlassen. In der halb so großen Vergleichsgruppe ohne Vitamin D starben dagegen zwei Menschen.

Eine im Juni 2021 publizierte Kohortenstudie in der COVID-19-Station des Hospital del Mar in Barcelona mit 838 Covid-19-Patienten, belegt die bereits erwähnten Ergebnisse in größerem Umfang. Es handelt sich um 447 Patienten, die mit hohen Dosen (ca. 20.000 I.E. am Tag der Aufnahme und zusätzlichen, etwas geringer dosierten Gaben in den Tagen danach) behandelt wurden. Lediglich 20 Patienten, also nur 4,5%, landeten auf der Intensivstation. Von den 391 Patienten, die nicht mit Vitamin D behandelt wurden landeten 82 (21%) auf der Intensivstation. Mit anderen Worten:

Das Risiko, von der Covid-Station auf die Intensivstation verlegt zu werden, reduzierte sich durch die Verabreichung von Vitamin D um 84%! Auch das Risiko zu versterben wurde bei diesen Patienten, die frühzeitig mit Vitamin D behandelt wurden, um 79% reduziert (7).

Das Fazit der Autoren liest sich daher eindeutig:

“Bei Patienten, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, reduzierte die Behandlung mit dem Sonnenhormon signifikant sowohl  die Aufnahme auf die Intensivstation als auch die Sterblichkeit”.

Eine Systematische Übersichtsarbeit von 7 randomisierten, placebokontrollierte Doppelblindstudien zum Thema Vitamin D und Asthma kommt zu einem eindeutigen Ergebnis. Nach 4-12 Monaten Beobachtungsdauer unter Vitamin D-Gabe, konnte eine Risiko-Reduktion um 37 % für eine kortisonbedürftige Exazerbation (Verschlechterung) nachgewiesen werden. Die asthmabedingten Anfälle und die damit einhergehende Anzahl der Krankenhausaufenthalte konnte durch die Verabreichung von Vitamin D halbiert werden (8).

Randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie zum Thema Vitamin D-Supplementierung zur Vorbeugung von saisonaler Influenza A bei Schulkindern: Hierbei wurden 167 Schulkinder beobachtet, von denen die Hälfte mit 1200 I.E./Tag Vitamin D versorgt wurden. Als Resultat wurde eine Risikoreduktion um 64% für Influenza A und um 83% für Asthmaanfälle bei den Kindern festgestellt, die bis zu dieser Untersuchung noch keine anderen Vitamin D-Präparate eingenommen hatten (9).

Die zitierten Arbeiten geben nur einen kleinen Bruchteil der vorhandenen RCT-Studien zu den einzelnen Themen wider. Alle zitierten Studien basieren auf der Verabreichung von „synthetischem Vitamin D“ in Form von Cholecalciferol oder Calcifediol.


Irrtum: Die Pharmaindustrie hat sich auf die Seite von Vitamin D geschlagen und macht nun Werbung für das Sonnenhormon

Die Pharmaindustrie ist der größte Profiteur einer kranken Gesellschaft. Naturgemäß zeigt sie daher kein Interesse, die Menschen in Sachen Vitamin D aufzuklären. Vielmehr ist das Gegenteil offenkundig der Fall.
Vitamin D ist auf dem Markt zu einem sehr geringen Preis erhältlich. Eine Jahresration Vitamin D ist im Internet bereits um 25 € und teilweise noch günstiger zu haben und steht in keiner Relation zu patentierbaren Medikamenten, denn bspw. Krebsmedikamente kosten das hundert- und tausendfache.

Daher ist davon auszugehen, dass sich die Pharmaindustrie auch zukünftig nicht auf die Seite von Vitamin D und der Gesundheit schlagen wird. Dort, wo sie am Markt partizipieren kann, wird sie dies auch tun, weshalb sie auch Vitamin D verkauft. Um die Verhältnisse zw. dem Vitamin D-Markt und der Pharmaindustrie einordnen zu können, haben wir folgendes Diagramm erstellt.

Abb. 1: In der Abbildung werden die Umsätze der deutschen Pharma- und Nahrungsergänzungsmittelbranche im Jahr 2023 gegenübergestellt (10, 11). Der verschwindend kleine Balken für Vitamin D + A basiert auf den hochgerechneten Marktanteilen des gesamten Nahrungsergänzungsmittelsegments im Jahr 2018 (12).

Es ist auch eine Falschmeldung des Autors, dass Vitamin D nur von zwei Pharmafirmen in Deutschland hergestellt wird. Zum einen gibt es deutlich mehr Firmen, die Vitamin D gewissenhaft herstellen, zum anderen gehören die meisten Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln eben nicht zur Pharmaindustrie.


Fazit: Lassen Sie sich nicht von Falschmeldungen über Vitamin D verunsichern. Sie erkennen Falschmeldungen daran, dass sie zumeist nicht mit Primärquellen bzw. seriöse Studienergebnisse belegt werden können. Zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen die gesundheitlichen Vorteile von Vitamin D, unabhängig davon, ob es als Nahrungsergänzung eingenommen oder durch UV-Strahlung produziert wurde. Vitamin D verursacht in angemessenen Dosen keine Nebenwirkungen, stärkt das Immunsystem und reduziert das Krebsrisiko. Die Pharmaindustrie zeigt kein Interesse an der Förderung von Vitamin D, da es ein kostengünstiges und weitverbreitetes Supplement ist.

Quellenangabe:

  1. https://www.heilpraktiker-tuppek.de/infos/2016/04/03/synthetisches-vitamin-d3-ist-gesundheitssch%C3%A4dlich!/
  2. Chandler PD; Chen WY; Ajala ON; Hazra A; Cook N; Bubes V; Lee IM; Giovannucci EL; Willett W; Buring JE; Manson JE; (n.d.). Effect of Vitamin D3 Supplements on Development of Advanced Cancer: A Secondary Analysis of the VITAL Randomized Clinical Trial. Retrieved December 23, 2020, from https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33206192/
  3. Madden JM, Murphy L et al (2018). De novo vitamin D supplement use post-diagnosis is associated with breast cancer survival. Breast Cancer Research and Treatment, 172(1), 179-190. DOI:10.1007/s10549-018-4896-6
  4. Lappe JM, Travers-Gustafson D et al (2007). Vitamin D and calcium supplementation reduces cancer risk: results of a randomized trial. In: The American journal of clinical nutrition 85 (6), S. 1586–1591
  5. Niedermaier, T., Gredner, T., Kuznia, S., Schöttker, B., Mons, U., & Brenner, H. (2021). Vitamin D supplementation to the older adult population in Germany has the cost‐saving potential of preventin almost 30,000 cancer deaths per year. Molecular Oncology. doi:10.1002/1878-0261.12924
  6. Castillo M et al. (2020). Effect of Calcifediol Treatment and best Available Therapy versus best Available Therapy on Intensive Care Unit Admission and Mortality Among Patients Hospitalized for COVID-19: A Pilot Randomized Clinical study. Retrieved from https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960076020302764?via%3Dihub
  7. Xavier Nogues, Diana Ovejero, Marta Pineda-Moncusí, Roger Bouillon, Dolors Arenas, Julio Pascual, Anna Ribes, Robert Guerri-Fernandez, Judit Villar-Garcia, Abora Rial, Carme Gimenez-Argente, Maria Lourdes Cos, Jaime Rodriguez-Morera, Isabel Campodarve, José Manuel Quesada-Gomez, Natalia Garcia-Giralt, Calcifediol Treatment and COVID-19–Related Outcomes, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism , Band 106, Ausgabe 10, Oktober 2021, Seiten e4017–e4027, https:// doi.org/10.1210/clinem/dgab405
  8. Martineau, A., Takeda, A., Nurmatov, U., Sheikh, A., & Griffiths, C. J. (2015); Vitamin D for the management of asthma. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.cd011511.pub2
  9. Urashima, M., Segawa, T., Okazaki, M., Kurihara, M., Wada, Y., & Ida, H. (2010). Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren. The American Journal of Clinical Nutrition, 91(5), 1255-1260. doi:10.3945/ajcn.2009.29094
  10. Umsatz auf dem Pharmamarkt in Deutschland | Statista. (2024, 3. April). Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158096/umfrage/pharma-gesamtmarkt-umsatzentwicklung-seit-2006/
  11. Mintel. (2024, 7. Februar). Nahrungsergänzungsmittel – Deutschland – 2023 : Consumer market research report : Mintel.com. Mintel Store Deutschland. https://store.mintel.com/de/reports/deutschland-vitamine-und-nahrungsergaenzungsmittel-markt-report
  12. IQVIA Commercial GmbH & Co. OHG. (2019). Jede fünfte Packung Nahrungsergänzungsmittel bestellen. In Trends Bei Nahrungsergänzungsmitteln Aus der Apotheke [Infografik]. https://www.iqvia.com/-/media/iqvia/pdfs/cese/germany/publikationen/infografik/trends-bei-nahrungserganzungs-mitteln-aus-der-apotheke.pdf?la=de-de&hash=A61DD0D65D6E275B756EA4ACBF7C76E1C2572E35&utm_medium=Email&utm_source=Presse&utm_campaign=Infografik-NEM-Apr2019

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