Wie Bewegung den saisonalen Abfall von Vitamin D verhindert: Erkenntnisse aus der VitaDEx-Studie

Vitamin D steht im Mittelpunkt zahlreicher Forschungsarbeiten – doch wie Bewegung den Stoffwechsel des Sonnenvitamins beeinflusst, wurde bislang kaum untersucht. Die „VitaDEx“-Studie (Perkin et al., 2025) liefert nun spannende Ergebnisse: Regelmäßiges Training kann den saisonalen Rückgang deVitamin-D-Spiegels verhindern, selbst ohne Gewichtsverlust. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Verbindung zwischen körperlicher Aktivität, Stoffwechsel und Hormonregulation.

Forschende der Universität Kopenhagen wollten herausfinden, ob regelmäßiges Ausdauertraining den saisonalen Rückgang des Vitamin-D-Spiegels verhindern kann – unabhängig von Gewichtsveränderungen. Untersucht wurde insbesondere, ob Sport Einfluss auf verschiedene Formen von Vitamin D im Blut hat, darunter 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D) und die aktiven Metaboliten 1,25-Dihydroxyvitamin D (1,25(OH)₂D) sowie 24,25-Dihydroxyvitamin D (24,25(OH)₂D). 

An der randomisierten, kontrollierten Studie nahmen über 100 gesunde Erwachsene aus Großbritannien teil, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: 

  • Trainingsgruppe: absolvierte ein strukturiertes, 10-wöchiges Ausdauerprogramm (4 Einheiten Kardio-Training pro Woche) mit regelmäßiger Überwachung
  • Kontrollgruppe: führte ihren Alltag ohne zusätzliches Training fort

Beide Gruppen wurden über den Winter hinweg (1. Oktober bis 1. April) beobachtet – eine Zeit, in der in unseren Breitengraden über das Sonnenlicht keine natürliche Vitamin-D-Synthese angestoßen wird, wodurch der Vitamin-D-Spiegel ohne Supplementierung üblicherweise deutlich sinkt. Alle Probanden wurden angewiesen kein Vitamin D zu supplementieren. Auch die Ernährung und das Körpergewicht sollten unverändert bleiben, um sicherzustellen, dass nur der Effekt der Bewegung gemessen wurde. Bei der Trainingsgruppe wurde daher die tägliche Energiezufuhr soweit erhöht, dass der Energieverbrauch durch den Sport wieder ausgeglichen wurde.


Ergebnisse: Bewegung verhindert den saisonalen Vitamin-D-Abfall 

Die Resultate waren deutlich: In der Kontrollgruppe sanken die Vitamin-D-Metaboliten im Verlauf des Winters wie erwartet ab, nämlich um 25 %. In der Trainingsgruppe hingegen blieben die Werte stabiler – insbesondere für 25(OH)D und 1,25(OH)₂D. Hier sank der Vitamin-D-Spiegel um 15 % ab.

Dieser Effekt trat auf, ohne dass sich das Körpergewicht veränderte, was zeigt, dass Sport unabhängig von Fettabbau einen positiven Einfluss auf den Vitamin-D-Stoffwechsel ausüben kann. Das Training schien den Abbau von Vitamin D zu hemmen und die Umwandlung in seine aktiven Formen zu fördern. 

Hier eine kurze Zusammenfassung der statistischen Ergebnisse:

  1. Primäres Ergebnis – 25(OH)D-Spiegel
    • In der Kontrollgruppe, die nicht trainierte, kam es – saisonal typisch – zu einem signifikanten Abfall der 25(OH)D-Werte über den Winter. Diese Studienteilnehmer verloren im Winter durchschnittlich 5,6 ng/ml (14 nmol/L) ihres 25-OH-Vitamin-D-Spiegels. 
    • In der Interventionsgruppe (regelmäßiges Ausdauertraining ohne Gewichtsverlust) blieb der 25(OH)D-Spiegel stabil bzw. sank signifikant weniger, durchschnittlich um 3,3 ng/ml (8,3 nmol/L). 
    • Der Gruppenunterschied war statistisch signifikant.  
  1. 1,25(OH)₂D (aktive Form)
    • Das aktive Vitamin D (1,25(OH)₂D₃) blieb bei den Sportlern voll erhalten, während es in der Kontrollgruppe um etwa 15 % sank (signifikanter Gruppenunterschied). 
  1. Vitamin-D-Abbau-Rate (Verhältnis von24,25(OH)₂D zu 25(OH)D)) 
    • Das Verhältnis veränderte sich in der Interventionsgruppe nicht signifikant, in der Kontrollgruppe jedoch deutlich, was für eine erhöhte Abbaurate in der Kontrollgruppe spricht. 
  1. Körpergewicht und Körperfett
    • Wie geplant gab es keine signifikanten Unterschiede im Gewicht oder Körperfett zwischen den Gruppen. 

Mögliche Mechanismen: Wie Sport den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflusst 

Die Forschenden vermuten mehrere biologische Erklärungen für diesen Effekt: 

  • Muskelaktivität kann Enzyme aktivieren, die an der Umwandlung von Vitamin D beteiligt sind. 
  • Erhöhte Durchblutung und Stoffwechselrate während des Trainings könnten die Verteilung und Mobilisierung von Vitamin D im Körper verbessern. 
  • Zudem wird diskutiert, dass Mitochondrien-Aktivität und Hormonregulation bei körperlicher Belastung die Expression von Enzymen im Vitamin-D-Stoffwechsel begünstigen. 

Damit liefert die Studie erstmals belastbare Hinweise darauf, dass regelmäßige Bewegung eine Art „metabolischen Schutzmechanismus“ für den Vitamin-D-Haushalt bieten kann. 


Fazit: Wer aktiv bleibt, profitiert doppelt - körperlich und biochemisch

Die VitaDEx-Studie zeigt uns, dass körperliche Aktivität nicht nur das Herz-Kreislauf-System stärkt, sondern auch den Verlust von Vitamin D im Winter abfedern kannSchon regelmäßiges moderates Training kann helfen, den Stoffwechsel aktiv zu halten und den natürlichen Vitamin-D-Rückgang zu verlangsamen.  

Wer sich bewegt, benötigt daher tendenziell weniger Ergänzung durch Vitamin-D-Präparate, um stabile Werte zu halten. Dennoch ersetzt Bewegung die Supplementierung nicht vollständig: Gerade in den sonnenarmen Monaten bleibt eine gezielte Vitamin-D-Einnahme weiterhin die verlässlichste und medizinisch empfohlene Strategie, um den Bedarf sicher zu decken und gesundheitliche Risiken zu vermeiden. 

Quellenangaben:

Baranauskas, M. N., Otto, A. D., Hansen, K. E., Bell, C., Braunreiter, K. M., McDaniel, J. L., Fahrmann, J., Edison, M., Tang, R. H., Bullock, K. M., Ledermann, T., & Swerdlow, R. H. (2025). Exercise without weight loss prevents seasonal decline in vitamin D metabolites: The VitaDEx randomized controlled trialAdvanced Science, 22, e16312. https://doi.org/10.1002/advs.202416312 

Bildquelle: 

Bild von Daniel Reche auf Pixabay